Archiv für den Monat: Januar 2017

 

In Heidenrod gibt es zwei rein weiblich besetzte Ortsbeiräte

Ortsbeiräte 01.2017

Frauenpower aus zwei Ortsbeiräten ohne Mann

(von links):    Marianne Schreiber und Ortsvorsteherin Marion Schmidt aus Algenroth sowie aus Zorn Ortsvorsteherin Judith Grebe, ihre Stellvertreterin Renate Zorn, Susanne Lange, Renate Hikl und Dorothee Schneider. Zum Algenrother Ortsbeirat gehört auch noch Schmidts Stellvertreterin Petra Müller.           Foto: Thorsten Stötzer

Von Thorsten Stötzer  (Aar-Bote 07.01.2017)

HEIDENROD – Judith Grebe braucht nur wenige Meter bis zur Bühne der Morsbachhalle gucken, um ein Beispiel für die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Ortsbeiratspolitik zu entdecken. Den Männern hätte ein Treppchen genügt, wo sich jetzt Stufen auf ganzer Breite der Bühne erstrecken. Frauen wollen nicht nur das Praktische, sondern auch das Schöne, erläutert Zorns Ortsvorsteherin.

Bereits seit sechs Jahren hat Grebe ihr Amt inne. Doch während sie in der vergangenen Amtsperiode nur von Männern umgeben war, besteht das Gremium seit der jüngsten Kommunalwahl ausschließlich aus Frauen. Zorn besitzt in Heidenrod nicht den einzigen rein weiblichen Ortsbeirat. Im benachbarten Algenroth ist bereits die zweite Wahlzeit angebrochen, in der Frauen alleine die Verantwortung tragen. Den Posten der Ortsvorsteherin hat dort Marion Schmidt von Beate Borchers übernommen.

NEUN ORTSVORSTEHERINNEN

Neben Marion Schmidt (Algenroth) und Judith Grebe (Zorn) amtieren in Heidenrod folgende Ortsvorsteherinnen: Beate Gschweng (Dickschied), Annette Bartsch (Geroldstein), Cornelia Eckel (Kemel), Claudia Schatzek (Langschied), Susanne Seyfert (Mappershain), Birgit Kunz (Niedermeilingen) und Sabine Peuckmann-Ebert (Wisper).

Überhaupt gewinnen Frauen auf der unteren Ebene der Gemeindeordnung an Bedeutung. In 9 der 19 Heidenroder Ortsteile gibt es mittlerweile eine Ortsvorsteherin. Von den 85 Mandaten in allen Ortsbeiräten sind 29 mit Frauen besetzt, also mehr als ein Drittel. Zu den beiden rein weiblichen Beiräten kommen drei mit einer Frauen-Mehrheit, und zwar im zweitgrößten Ortsteil Kemel, Geroldstein und Wisper.

Dem stehen vier Ortsbeiräte entgegen, in denen nur Männer sitzen: Das ist im größten Ortsteil Laufenselden genauso der Fall wie in Obermeilingen, Hilgenroth und Martenroth. Doch was unterscheidet Frauen und Männer, wenn sie Dorfpolitik machen? „Wir haben ein ganzes Dorf voller Kavaliere“, schildert Renate Hikl vom Zorner Ortsbeirat, die Hilfsbereitschaft sei deutlich gewachsen in den zurückliegenden Monaten. Judith Grebe berichtet von der gestiegenen Zahl von Dorfpaten, die sich um Spielplatz oder Friedhof kümmern, was den Bauhof entlastet. In freundlicher und liebevoller Ansprache sieht sie einen Schlüssel, um die Bürger zu motivieren. Generell stufen die Ortsbeirätinnen soziale Kompetenz und Kommunikation als weibliche Stärken ein: „Frauen reden mehr“, sagt Hikl, und sei es per WhatsApp. Zettel in den Briefkästen stehen im kleinen Algenroth hoch im Kurs. Marion Schmidt ist dort ebenfalls sehr mit der Aufgeschlossenheit der Bevölkerung zufrieden, was sich in beiden Orten auch an zweistelligen Besucherzahlen bei Ortsbeiratssitzungen zeigt.

In Algenroth leben 45 Frauen und 30 Männer

In Algenroth gibt es ohnehin Erfahrung mit ungewöhnlichen Konstellationen. Einst bestand der Ortsbeirat aus Mutter, Vater und Sohn, und wie die Ortsvorsteherin überschlägt, leben heute außer rund 45 Frauen lediglich 30 Männer im Dorf. In den Vereinen sind die Frauen gleichfalls auf dem Vormarsch, der Zorner Kirchenvorstand besteht ebenso aus fünf Frauen – und dem Pfarrer. In den Ortsbeiräten wird neben wichtigen Projekten wie der Gestaltung von Ortsmitten und Mehrgenerationenplätzen das Gesellige gefördert. So haben beide Gremien gemeinsam Wildgulasch für 70 Leute bei der Senioren-Weihnachtsfeier gekocht. Im Alltag fällt noch etwas auf: Sowohl in Algenroth als auch in Zorn wird jetzt lieber Rotwein getrunken und Käse gegessen in den Sitzungen, der Bierdurst hat nachgelassen.