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Geist der Revolution weht im Dorf

Aar-Bote vom 19.07.2016

SbZ_Aarbote vom 19.07.2016

 

Schlacht bei Zorn:
Ein Soldat vor 150 Jahren gefallen/Jubiläumsveranstaltung vereint Historie und Unterhaltung

Von Thorsten Stötzer

ZORN – Hinter einem Holzstapel hat der Nassauer auf der Lauer gelegen. Ein einzelner Preuße hat den Anschluss an seine Truppe verloren und verlässt gerade das Klohäuschen der Gastwirtschaft von Kaspar Schmidt. Ein Schuss hallt, doch lediglich das Wirtshausschild stürzt zu Boden. Der Angegriffene revanchiert sich und trifft den nassauischen Soldaten, der scheinbar tot ins Stroh fällt.

So setzen Dirk Salzmann auf Nassaus Seite und der Preuße Frank Stutzmann die Schlacht bei Zorn in Szene, die am 12. Juli 1866 tatsächlich geschlagen wurde. Bei der Jubiläumsveranstaltung zählt das kurze Schauspiel zu den Höhepunkten. 30 Darsteller sind eingebunden, das Militär stammt aus Zorn und Kemel. Sogar Pferde vor einem Wagen sind im Einsatz, um das Todesopfer fortzuschaffen.

Gesang im Gasthaus vor der Schlacht

Vorher wird im Gasthaus gesungen, schließlich stellen Mitglieder des MGV Zorn das Volk in blauen Kitteln dar. Für ein authentisches Bühnenbild ist mit Geweihen an der Wand und Steinguttöpfen gesorgt. Den Wirt verkörpert ein achter Vertreter des Berufsstands, nämlich Manfred Jakobs. Ein Tisch voll heimischer Bauern, ein anderer voller preußischer Soldaten – das war damals in der Zeit der Kabinettskriege noch denkbar.

Den historischen Rahmen bringen Ausstellungen in der Morsbachhalle näher. Ein Auszug aus dem Kriegstagebuch des Algenrothers Heinrich Müller von 1866 ist zu sehen. Das Dorf und der Schieferbergbau erscheinen auf alten Fotografien, Manfred Salzmann präsentiert Grammofone und Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Im alten Schulsaal laufen Dokumentationsfilme zu den Einigungskriegen.

Vor und nach dem Theaterstück berichtet Harald Schmelzeisen aus dem Jahr 1866. Es war ein „eher gemütlicher Krieg“, die Zorner waren „in der Lage, mehrere Wirte zu ernähren“. Doch die Bevölkerung lebte in Armut und Unfreiheit, daher dürfte es vielen egal gewesen sein, ob sie der nassauische Herzog oder der preußische König regierte. Auch Heidenrods Bürgermeister Volker Diefenbach (SPD) betont: „Früher war nichts besser.“ Lediglich einer arroganten Obrigkeit ging es in der Regel gut.

Der Freiheitsdrang und der Geist der Revolution von 1848 ist ein wenig in den zeitgenössischen Liedern zu spüren, die die „Spießgesellen vom Haareschloss“ anstimmen, bestehend aus Jürgen Göddert, Harald Schmelzeisen, Harald Hensgen und Harald Schneider. Tanz und Gedichte gehören außerdem zum Programm. Morgens führt Ralf Schmidt die Besucher zu den historischen Orten der Schlacht.

Es folgt ein Gottesdienst mit Pfarrer Klaus Simon sowie der Prädikantin und Ortsvorsteherin Judith Grebe. Birkenreisig mit Krepppapier in Nassaus Farben schmückt Zorns Straßen. Schmied, Leder-Handwerker, Händler sowie Spinnrad und Zinnfiguren verschaffen Markt- und Lager-Atmosphäre. Kinder spielen auf einer Hüpfburg aus Stroh, malen Bilder oder lassen sich das Gesicht schminken.

Originale Speisen stehen auf der Essenskarte

Sogar das Kulinarische wurde angepasst, erläutert Herbert Dick. „Quellgedoffele, Schmeerkees unn Grienes“ oder „Landsknechtsbrade“ stehen auf der Speisekarte. So viel Einsatz erntet Anerkennung beim CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch und der Ortsvorsteherin: „Danke“ ruft Judith Grebe annähernd 70 Helfern zu und fragt, „was unser schönes Dorf ohne die Freiwilligen wäre.“