125 Jahre MGV – “Akademische Feier”

Von Thorsten Stötzer

ZORN – Das Zorner Lied, das von Morsbach, Hareschloss und Grauem Kopf erzählt, darf natürlich nicht fehlen bei der akademischen Feier zum 125-jährigen Bestehen des MGV Concordia. Danach erklingt das schwungvolle „Sanna“, ehe das Programm mit „Klinge Lied lange nach“ endet. Dabei bietet sich ein buntes Bild auf der Bühne, alle Körperlängen und Altersklassen sind vertreten.

Männer mit roten Krawatten, Frauen mit roten Halstüchern und Kinder in roten T-Shirts singen gemeinsam. Das Konzept, Nachwuchsarbeit zu betreiben und Generationen zusammenzuführen, bringt dem MGV viel Anerkennung ein an diesem Abend. In dieser Hinsicht sei der „Kinderchor++“ ein „Unikum“, hebt Burkhard Albers als Landrat und Vorsitzender des Sängerkreises Untertaunus hervor.

Zorner können auf die treuen Mitglieder bauen

Vom hessischen Sängerbund spricht Günther Herzberger zu den Gästen. „Die Kinder bilden das Fundament für weitere 125 Jahre Chorgesang in Zorn“, betont der Concordia-Vorsitzende Gerhard Quandt. Auch „Freude und Begeisterung“ als Grundgerüst für den Verein erwähnt er. Dazu können die Zorner auf treue Mitglieder bauen, vier von ihnen werden geehrt für insgesamt 225 Jahre aktives Singen.

Werner May hat mehr als die Hälfte der Vereinsgeschichte miterlebt, denn er wirkt schon seit 65 Jahren mit. Albers ehrt außerdem Albert Schönberger für 60 Jahre Aktivsein und Walter May sowie Günther Zöller für jeweils 50 Jahre. Große Freude herrscht darüber, dass der 1923 geborene Willy Zapp, Vorsitzender des Vereins von 1967 bis 1983, ebenfalls an der Veranstaltung teilnimmt.

Freiraum von der Obrigkeit hätten die Vereine in ihrer Frühzeit den Bürgern verschafft, erklärt Heidenrods Bürgermeister Volker Diefenbach, Offenheit ist geblieben. So geht Ortsvorsteherin Judith Grebe auf den „aus meiner Sicht unverzichtbaren Kulturträger“ MGV Concordia ein und lobt dessen Innovationskraft beim Gründen neuer Chorformen. Alle Formationen wirken am Programm mit. So eröffnet der klassische Männerchor, dirigiert von Frank Klein, mit „Dies ist ein großer Tag“ die Feier und fordert auf: „Stimmt ein in unser Lied“.

Der gemischte Chor singt zum Beispiel „Ich tanze am Morgen“, mit „Chorwärts“ geht es über „Sieben Brücken“. Auch der „Schöne Gigolo“ wird gewürdigt, und am Ende erheben sich alle Stimmen gemeinsam. Musik und Feste gehören für den Schirmherrn Tobias Müller zusammen, da habe er selbst bereits spontan mitgesungen. Mit seinem Hof Zorn feiert er bald ebenso ein Jubiläum: 30 Jahre existiert der Betrieb.

Einen Bezug zum Reformationsjubiläum stellt der evangelische Pfarrer Klaus Simon her. Zudem berichtet er, wie oft der MGV in der Kirche auftritt. „Schön, dass es euch gibt“, schließt sich die katholische Gemeindereferentin Monika Dirksmeier an, denn sonst wären zahlreiche Feiern trister. In diesem Sinne besteht gleichfalls Verbundenheit mit der Feuerwehr, deren Vertreter Christian Wagner an früher gemeinsam veranstaltete gesellige „Bauernabende“ erinnert. Obwohl der Besuch üppiger hätte sein dürfen, wird es auch beim akademischen Abend noch gemütlich bei Umtrunk und Imbiss.

Quelle:  Aar – Bote, 20.03.2017

Verabschiedung Inge Nies

Besuch bei Inge Nies

Im Februar besuchte der Ortsbeirat Zorn Frau Inge Nies anlässlich ihrer Verabschiedung aus dem Seniorenclub Zorn-Algenroth, dessen Vorsitzende sie seit 1995 war. Frau Nies muss dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Leider werden gleichzeitig auch die Treffen des Vereins eingestellt, die alle zwei Wochen stattfanden.  Kamen 1995 noch 28 Personen regelmäßig zum Seniorenclub waren es zuletzt nur noch 12, Tendenz fallend.

Der Ortsbeirat bedankte sich für ihren langjährigen, unermüdlichen Einsatz und überreichte als kleine Anerkennung einen Präsentkorb. Anschließend  ließ Frau Nies die letzten Jahre noch einmal Revue passieren. Zum Programm des Vereins zählten Aktivitäten für Leib und Seele. Angeboten wurden Gymnastik, Singen, Dichten und Gedächtnistraining, man pflegte die Mundart, spielte Skat, Rommé und andere Kartenspiele. Zwei- bis dreimal im Jahr wurde ein Ausflug in den Rheingau organisiert.

Der Ortsbeirat bedauert sehr, dass das Angebot des Seniorenclubs momentan nicht angenommen wird und hofft darauf, dass die „jungen Alten“, die in Zorn reichlich vorhanden sind, das Clubleben wieder aufleben lassen.

Vielleicht kann die demnächst erfolgende Eröffnung des neu eingerichteten Büchercafès einen Impuls auslösen, sich wieder öfter zu treffen.

Die Öffnungszeiten werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Ortsbeirat Zorn

 

In Heidenrod gibt es zwei rein weiblich besetzte Ortsbeiräte

Ortsbeiräte 01.2017

Frauenpower aus zwei Ortsbeiräten ohne Mann

(von links):    Marianne Schreiber und Ortsvorsteherin Marion Schmidt aus Algenroth sowie aus Zorn Ortsvorsteherin Judith Grebe, ihre Stellvertreterin Renate Zorn, Susanne Lange, Renate Hikl und Dorothee Schneider. Zum Algenrother Ortsbeirat gehört auch noch Schmidts Stellvertreterin Petra Müller.           Foto: Thorsten Stötzer

Von Thorsten Stötzer  (Aar-Bote 07.01.2017)

HEIDENROD – Judith Grebe braucht nur wenige Meter bis zur Bühne der Morsbachhalle gucken, um ein Beispiel für die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Ortsbeiratspolitik zu entdecken. Den Männern hätte ein Treppchen genügt, wo sich jetzt Stufen auf ganzer Breite der Bühne erstrecken. Frauen wollen nicht nur das Praktische, sondern auch das Schöne, erläutert Zorns Ortsvorsteherin.

Bereits seit sechs Jahren hat Grebe ihr Amt inne. Doch während sie in der vergangenen Amtsperiode nur von Männern umgeben war, besteht das Gremium seit der jüngsten Kommunalwahl ausschließlich aus Frauen. Zorn besitzt in Heidenrod nicht den einzigen rein weiblichen Ortsbeirat. Im benachbarten Algenroth ist bereits die zweite Wahlzeit angebrochen, in der Frauen alleine die Verantwortung tragen. Den Posten der Ortsvorsteherin hat dort Marion Schmidt von Beate Borchers übernommen.

NEUN ORTSVORSTEHERINNEN

Neben Marion Schmidt (Algenroth) und Judith Grebe (Zorn) amtieren in Heidenrod folgende Ortsvorsteherinnen: Beate Gschweng (Dickschied), Annette Bartsch (Geroldstein), Cornelia Eckel (Kemel), Claudia Schatzek (Langschied), Susanne Seyfert (Mappershain), Birgit Kunz (Niedermeilingen) und Sabine Peuckmann-Ebert (Wisper).

Überhaupt gewinnen Frauen auf der unteren Ebene der Gemeindeordnung an Bedeutung. In 9 der 19 Heidenroder Ortsteile gibt es mittlerweile eine Ortsvorsteherin. Von den 85 Mandaten in allen Ortsbeiräten sind 29 mit Frauen besetzt, also mehr als ein Drittel. Zu den beiden rein weiblichen Beiräten kommen drei mit einer Frauen-Mehrheit, und zwar im zweitgrößten Ortsteil Kemel, Geroldstein und Wisper.

Dem stehen vier Ortsbeiräte entgegen, in denen nur Männer sitzen: Das ist im größten Ortsteil Laufenselden genauso der Fall wie in Obermeilingen, Hilgenroth und Martenroth. Doch was unterscheidet Frauen und Männer, wenn sie Dorfpolitik machen? „Wir haben ein ganzes Dorf voller Kavaliere“, schildert Renate Hikl vom Zorner Ortsbeirat, die Hilfsbereitschaft sei deutlich gewachsen in den zurückliegenden Monaten. Judith Grebe berichtet von der gestiegenen Zahl von Dorfpaten, die sich um Spielplatz oder Friedhof kümmern, was den Bauhof entlastet. In freundlicher und liebevoller Ansprache sieht sie einen Schlüssel, um die Bürger zu motivieren. Generell stufen die Ortsbeirätinnen soziale Kompetenz und Kommunikation als weibliche Stärken ein: „Frauen reden mehr“, sagt Hikl, und sei es per WhatsApp. Zettel in den Briefkästen stehen im kleinen Algenroth hoch im Kurs. Marion Schmidt ist dort ebenfalls sehr mit der Aufgeschlossenheit der Bevölkerung zufrieden, was sich in beiden Orten auch an zweistelligen Besucherzahlen bei Ortsbeiratssitzungen zeigt.

In Algenroth leben 45 Frauen und 30 Männer

In Algenroth gibt es ohnehin Erfahrung mit ungewöhnlichen Konstellationen. Einst bestand der Ortsbeirat aus Mutter, Vater und Sohn, und wie die Ortsvorsteherin überschlägt, leben heute außer rund 45 Frauen lediglich 30 Männer im Dorf. In den Vereinen sind die Frauen gleichfalls auf dem Vormarsch, der Zorner Kirchenvorstand besteht ebenso aus fünf Frauen – und dem Pfarrer. In den Ortsbeiräten wird neben wichtigen Projekten wie der Gestaltung von Ortsmitten und Mehrgenerationenplätzen das Gesellige gefördert. So haben beide Gremien gemeinsam Wildgulasch für 70 Leute bei der Senioren-Weihnachtsfeier gekocht. Im Alltag fällt noch etwas auf: Sowohl in Algenroth als auch in Zorn wird jetzt lieber Rotwein getrunken und Käse gegessen in den Sitzungen, der Bierdurst hat nachgelassen.

Geist der Revolution weht im Dorf

Aar-Bote vom 19.07.2016

SbZ_Aarbote vom 19.07.2016

 

Schlacht bei Zorn:
Ein Soldat vor 150 Jahren gefallen/Jubiläumsveranstaltung vereint Historie und Unterhaltung

Von Thorsten Stötzer

ZORN – Hinter einem Holzstapel hat der Nassauer auf der Lauer gelegen. Ein einzelner Preuße hat den Anschluss an seine Truppe verloren und verlässt gerade das Klohäuschen der Gastwirtschaft von Kaspar Schmidt. Ein Schuss hallt, doch lediglich das Wirtshausschild stürzt zu Boden. Der Angegriffene revanchiert sich und trifft den nassauischen Soldaten, der scheinbar tot ins Stroh fällt.

So setzen Dirk Salzmann auf Nassaus Seite und der Preuße Frank Stutzmann die Schlacht bei Zorn in Szene, die am 12. Juli 1866 tatsächlich geschlagen wurde. Bei der Jubiläumsveranstaltung zählt das kurze Schauspiel zu den Höhepunkten. 30 Darsteller sind eingebunden, das Militär stammt aus Zorn und Kemel. Sogar Pferde vor einem Wagen sind im Einsatz, um das Todesopfer fortzuschaffen.

Gesang im Gasthaus vor der Schlacht

Vorher wird im Gasthaus gesungen, schließlich stellen Mitglieder des MGV Zorn das Volk in blauen Kitteln dar. Für ein authentisches Bühnenbild ist mit Geweihen an der Wand und Steinguttöpfen gesorgt. Den Wirt verkörpert ein achter Vertreter des Berufsstands, nämlich Manfred Jakobs. Ein Tisch voll heimischer Bauern, ein anderer voller preußischer Soldaten – das war damals in der Zeit der Kabinettskriege noch denkbar.

Den historischen Rahmen bringen Ausstellungen in der Morsbachhalle näher. Ein Auszug aus dem Kriegstagebuch des Algenrothers Heinrich Müller von 1866 ist zu sehen. Das Dorf und der Schieferbergbau erscheinen auf alten Fotografien, Manfred Salzmann präsentiert Grammofone und Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Im alten Schulsaal laufen Dokumentationsfilme zu den Einigungskriegen.

Vor und nach dem Theaterstück berichtet Harald Schmelzeisen aus dem Jahr 1866. Es war ein „eher gemütlicher Krieg“, die Zorner waren „in der Lage, mehrere Wirte zu ernähren“. Doch die Bevölkerung lebte in Armut und Unfreiheit, daher dürfte es vielen egal gewesen sein, ob sie der nassauische Herzog oder der preußische König regierte. Auch Heidenrods Bürgermeister Volker Diefenbach (SPD) betont: „Früher war nichts besser.“ Lediglich einer arroganten Obrigkeit ging es in der Regel gut.

Der Freiheitsdrang und der Geist der Revolution von 1848 ist ein wenig in den zeitgenössischen Liedern zu spüren, die die „Spießgesellen vom Haareschloss“ anstimmen, bestehend aus Jürgen Göddert, Harald Schmelzeisen, Harald Hensgen und Harald Schneider. Tanz und Gedichte gehören außerdem zum Programm. Morgens führt Ralf Schmidt die Besucher zu den historischen Orten der Schlacht.

Es folgt ein Gottesdienst mit Pfarrer Klaus Simon sowie der Prädikantin und Ortsvorsteherin Judith Grebe. Birkenreisig mit Krepppapier in Nassaus Farben schmückt Zorns Straßen. Schmied, Leder-Handwerker, Händler sowie Spinnrad und Zinnfiguren verschaffen Markt- und Lager-Atmosphäre. Kinder spielen auf einer Hüpfburg aus Stroh, malen Bilder oder lassen sich das Gesicht schminken.

Originale Speisen stehen auf der Essenskarte

Sogar das Kulinarische wurde angepasst, erläutert Herbert Dick. „Quellgedoffele, Schmeerkees unn Grienes“ oder „Landsknechtsbrade“ stehen auf der Speisekarte. So viel Einsatz erntet Anerkennung beim CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch und der Ortsvorsteherin: „Danke“ ruft Judith Grebe annähernd 70 Helfern zu und fragt, „was unser schönes Dorf ohne die Freiwilligen wäre.“